Kendo und die Olympischen Spiele 2020 in Tokio

Obwohl die olympischen Spiele im Jahr 2020 in Tokio ausgetragen werden, ist Kendo, die repräsentativste aller Kampfsportarten, nicht als olympische Sportart anerkannt. Wenn Kendo, die Kunst des Schwertes, jemals als olympische Sportart eingeführt werden sollte, dann wäre eine Olympiade in Tokio sicherlich die beste Möglichkeit dazu. Die Kendo-Welt insgesamt scheint jedoch in ihrer Meinung gespalten.

 

Kendo ist wie kein anderer Sport

Um bei einem Erfolg ein Zeichen der Freude zu zeigen und z. B. das Bambusschwert in die Luft zu werfen, würde einen sofortigen Abzug des gerade erzielten Punktes zur Folge haben, da dies dem gegenüber Gegner respektlos wäre. Einen „Ippon“ (Punkt) zu erreichen, ist auch keine einfache Angelegenheit. Abgesehen davon, dass der „Tori“ (Gegner) tatsächlich an der richtigen Stelle (Kopf, Hand, Torso oder Nacken) getroffen werden muss, so muss auch das Ritual (die Angriffsposition), der Geist, in dem der Punkt gemacht wurde und die traditionelle Endphase nach dem Schlag ebenso korrekt durchgeführt werden. Elektronische Wertung, wie beim Fechten, oder eine Beurteilung nach einer Video-Wiederholung, wie es im Fall von Sumo möglich ist, ist dadurch nicht möglich.

Die drei anwesenden Kampfrichter und deren Verständnis für den Wettkampf sind ausschlaggebend. Es ist nicht unüblich, dass die Kontrahenten eine Entscheidung anzweifeln. In diesem Fall diktiert der Geist von Kendo, dass man darüber nachdenken sollte, wie die Technik, die man anwenden wollte, einfach nicht gut genug war. Wenn Kendo eine olympische Sportart werden sollte, würde seine Popularität steigen. Aber es könnte genau das passieren, was der Sport vermeiden will – eine Sportart, bei der Geschwindigkeit und Stärke einen Sieg über Technik und Geisteshaltung diktieren. Damit ist es eigentlich ironisch, dass Kendo sein eigener größter Feind ist, um erfolgreich eine olympische Sportart zu werden. Schlussendlich ist es der einzige Sport, der dem traditionellen Budo und dem ursprünglichen olympischen Geist der Kultivierung von Freundschaft treu bleibt: Respekt, Solidarität und Fairplay – und nicht das Streben nach Ruhm, Goldmedaillen oder Sponsoring.