Der Begriff Bushido fand erst im 16. Jahrhundert Verwendung, doch die Idee eines Ehrencodex entstand während der Kamakura-Periode (1192 bis 1333), ebenso wie die Praxis von Seppuku. Zu dieser Zeit gründete die Familie Minamoto die erste japanische Militärregierung (Bakufu), die als Erbaristokratie vom Shogun angeführt wurde. Der genaue Inhalt des Bushido-Codes variierte, als die Samurai-Klasse unter den Einfluss des Zen-Buddhismus und der konfuzianischen Philosophie geriet. Das einzige, unveränderliche Ideal war der Kampfgeist, einschließlich athletischer und militärischer Fähigkeiten sowie Furchtlosigkeit gegenüber dem Feind in der Schlacht.

Während der Edo-Periode (Tokugawa, 1603 bis 1867) wurde im Bushido der Konfuzianismus dominanter und zu einem umfassenden System gemacht, das die Pflichten eines Kriegers betonte. Der Samurai wurde zum perfekten „konfuzianischen Gentleman“. Ihm wurde beigebracht, dass seine wesentliche Funktion darin bestand, einen tugendhaften Lebensstil für die unteren Klassen vorzuleben. Der absolute Gehorsam wurde betont, doch die Pflicht stand an erster Stelle, auch wenn dies einen Verstoß gegen das Gesetz zur Folge hatte. Das Ausmaß, in dem dieses Pflichtbewusstsein wichtiger war als alles andere, ist vielleicht am besten anhand der Geschichte der „47 Rōnin“ aus dem frühen 18. Jahrhundert nachvollziehbar. Die herrenlosen Samurai (Rōnin) hatten ihren Lehnsherrn auf betrügerische Weise verloren. Sie rächten den Mord ihres Herrn und würden danach alle Samurai des Shogun dazu verurteilen, Seppuku zu begehen.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Gebote des Bushido zur Grundlage der ethischen Schulung für die gesamte japanische Gesellschaft gemacht. Der Kaiser ersetzte den Feudalherrn (Daimyo) als Empfänger der ungeteilten Loyalität der Samurai. Dies trug zum Aufkommen des japanischen Nationalismus im Anschluss an die Meiji-Restauration (1868) und zur Stärkung der zivilen Moral während des chinesisch-japanischen Krieges (1937 bis 45) und des Zweiten Weltkriegs bei. Mit der Niederlage Japans im Jahr 1945 wurde der Unterricht offiziell eingestellt. Elemente des Ehrencodes sind noch heute bei der Ausübung japanischer Kampfkünste und beim Sumoringen erkennbar.