In der Edo-Periode war das Seppuku zu einem kompletten Ritual geworden. Die strikte Einhaltung der Zeremonie war zwingend im Bushido. In einem typischen Seppuku würde ein großes weißes Kissen vorbereitet werden und Zeugen würden sich diskret an einer Seite arrangieren. Der Samurai, in einem weißen Kimono gekleidet, kniete formell auf dem Kissen nieder. Links hinter dem Samurai war sein Kaishakunin (der Sekundant).

Ein Opfer mit Tradition

Laut Überlieferung würde der Samurai, wenn er zum Tod bereit war, seinen Kimono lockern und den Bauch freilegen. Dann hob er den rituellen Dolch (Tantō) mit einer Hand und zog ihn mit der anderen Hand aus der Scheide, die er zur Seite legte. Nachdem er sich mental vorbereitet hatte, stach er die Klinge in die linke Seite seines Oberkörpers und zog sie dann nach rechts. Er würde die Klinge in der Wunde rotieren und sie nach oben führen. Die meisten Samurai mussten diese letzte, unendliche Qual nicht ertragen, da der Kaishakunin beim ersten Anzeichen von Schmerz den Samurai enthaupten würde. Ein Seppuku, das bis zum Ende ausgeführt wurde, wird als Jumonji (Kreuzschnitt) bezeichnet und in seiner Gesamtheit als besonders eindrucksvolles Spektakel angesehen. Ein Samurai musste seine Fassung bis zum Tod bewahren und in seinen letzten Augenblicken Kraft und volle Kontrolle über seinen Körper und seinen Geist zeigen. Der Ruf eines Samurai wäre bedeutungslos, wenn er auf unziemliche, ehrlose Weise sterben würde.

Der letzte Abschnitt

Der Kaishakunin sollte verhindern, dass der Samurai länger leiden würde, nachdem dieser sich den Bauch aufgeschlitzt hatte. Entgegen der landläufigen Meinung war Seppuku nicht notwendigerweise ein Selbstmord, sondern eine selbst zugefügte, tödliche Verletzung. Der Kaishakunin versetzte dann den Todesstoß. Der Kaishakunin musste überlegene Kontrolle über sein Schwert besitzen, um einen präzisen Schnitt zu machen. Bevor der Samurai Seppuku beging, schrieb er ein Jisei (Todesgedicht), welches eine besondere Einsicht in die Natur des Todes und den Wert des Lebens gab.